| In Italien schließt zurzeit nahezu wöchentlich eine Schuhfabrik. In Deutschland bauen viele der noch verbliebenen Schuhhersteller ihre Arbeitsplätze ab oder gehen gleich in den Konkurs. An ihre Stelle tritt die Produktion in Rumänien, Bulgarien, Kroatien oder China. Polen, Slowenien, Ungarn und Portugal gelten inzwischen schon als zu teuer. Gleichzeitig wandert das Wissen um die traditionelle Herstellung von Schuhen ebenso ab wie die Maschinen und deren Hersteller. In absehbarer Zeit wird bei uns ein ganzer Industriezweig unwiderruflich verschwunden sein. Als ein Grund für diese Entwicklung wird das hohe Lohnniveau angeführt. Die Folge: Schuhe "Made in Germany" oder "Made in Italy" unterscheiden sich fast nicht mehr von denen "Made in China". Weder in der Gestaltung noch qualitativ. China hat aufgeholt. Diese Entwicklungsspirale hat einen ungewissen Ausgang: Der Wegfall von Arbeitsplätzen in Europa schwächt die Konsumfreudigkeit und verstärkt so die zurzeit ohnehin schlechte Wirtschaftslage. Unser Ansatz ist es, die Produktion in den Mittelpunkt zu stellen und davon ausgehend ein besonderes Produkt zu gestalten: Schuhe, die ihrer Funktion optimal gerecht werden, in ihrer Gestaltung aber nicht immer so einfach verstanden werden. Schuhe, die nicht tauglich für den Massenmarkt sind und deshalb auch nicht lohnenswert kopiert werden können. Schuhe, die zwar der Mode zugeschrieben werden, kurzweilige Modetrends aber überstehen. Ein langlebiges Produkt. Eine weitere Strategie von Trippen ist es, eine so große Anzahl von |
Modellen und Variationsmöglichkeiten zu schaffen, dass alle individuellen Wünsche der Kunden erfüllt werden können. Hierbei sind schnelle und flexible Lieferzeiten wichtig. Dies hört sich heutzutage unrentabel an, gibt aber vielen kleinen Familienbetrieben in Italien Arbeit. Möglich ist dies nur hier in Europa mit der entsprechenden Infrastruktur, die es zu bewahren gilt. Nur in kleinen Produktionseinheiten können vorgeschriebene Umweltstandards und ökologische Herstellungsweisen garantiert sowie sozialverträgliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Vielfalt von Trippen-Schuhen ließe sich unmöglich in großen Fabriken und fern vom Auftraggeber produzieren. Und nur ein Produkt, das qualitativ hochwertig mit viel Handarbeit hergestellt wird und sich dabei sehr individuell auf die Kunden einstellen lässt, hat eine Chance, trotz höherer Preise wettbewerbsfähig zu sein. Es ist an der Zeit, die Erfolge des Konzeptes und der Gestaltung von Trippen zu dokumentieren. Parallel zu den Umbrüchen im produzierenden Gewerbe finden sich auch Zäsuren in der - wenn man so will - rund zehnjährigen Trippen-Geschichte. Auch davon erzählt dieses Buch. Zusammen mit zwei Zeitgenossen, die sich ihrer Sache ebenso verschrieben haben wie wir den Schuhen - Jürgen Holzenleuchter mit seiner Fotografie und Matthias Wittig in Sachen Grafik -, ist dies der Versuch eines vorläufigen Resümees, das den Blick in die Zukunft schärfen soll. Bilder aus dem Inhalt |
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